Es waren wieder mal bewegende, lehrreiche Wochen. Wochen, die mich an jedem einzelnen Tag ein Stück deutlicher auf die Erkentnisse hinweisen wollten: „Sehe an, nehme an, lasse zu, WAS IST“.
Byron Katie„When you argue with reality, you lose, but only 100% of the time.“
Ob wir es Zufall nennen, oder mehr daran glauben, dass immer alles „zufällt, was zufallen soll“: nach einer wochenlangen Pause von Podcasts habe ich an einem Feierabend unbedingt gern eine bestimmte Stimme hören wollen, die von Mark Groves. Ich habe davor für lange Zeit kein „Input“ mehr aufnehmen können, ich habe das Gefühl gehabt, dass mein System voll ist, die Aufnahmefähigkeit von meiner Seele, meinem Kopf vollständig erreicht war. Ich konnte nichts mehr reinlassen – weil alles, was bereits in mir gearbeitet hat, nicht den Weg nach außen, nicht die Auf- oder Erlösung gefunden hat. Und dann höre ich plötzlich diese Stimme auf dem Heimweg von der Arbeit: jetzt geht es. Ich weiß in dem Moment auch sofort, was ich suche, wo ich hinklicke, was ich mir anhören soll – die Suche dauert keine 30 Sekunden. Eine wahre Seltenheit bei mir, da ich mich gewöhnlich für nichts einfach entscheiden kann und ich mich in jeder Suche wahrlich verlieren kann. Und da bin ich „mittendrin“, ich nehme an einem Gespräch teil, das aus Millionen von Alternativen wie maßgeschneidert auf mich zugeschnitten war, auf mich gewartet hat, mich genau dort abgeholt hat, wo ich das am meisten gebraucht habe. Ich höre Mark und Peter Crone zu, und die zwei holen mich in einer Stunde aus einem gefühlten Schlafwandel raus. (Für die Interessierten: https://markgroves.com/episode/from-victim-to-creator-of-your-life-with-mind-architect-peter-crone/ 🙂 ).
Alles, was ich höre und dabei innerlich erlebe, hinterlässt tiefe Spuren – und wie gut so. Ich höre seitdem permanent die Frage innerlich: „Was, wenn alles genau so ist, wie es sein soll? Wenn alles, auch was ich gerade nicht akzeptieren (stattdessen um jeden Preis verkrampft ändern) möchte, und als „nicht wünschenswert / störend“ einstufen möchte, genau das Gegnteil davon ist? Etwas, was mir dient: meinem Wohlbefinden, meiner Wachstum, meiner Entwicklung, meinem Glück? Was, wenn alles genauso ist, wie es sein soll und wenn, dann nur das eine Ziel hat: mir die Cahnce zu bieten, zu wachsen, zu lernen, mich neu zu erleben, meine alten Muster zu hinterfragen?“
Manchmal (meistens…) ist es nur ein ganz kleiner Schubser, der den Stein ins Rollen bringt. Es hat sich eine faszinierende Welt für mich eröffnet und nach einigen Wochen des Erlebens, der Kennenlernens dieser Welt scheint kein Zurück mehr zu geben. Auch früher habe ich schon den Gedanken geteilt: „once you know something, you can’t unknow it“ – was wir einmal verstanden, begriffen, verinnerlicht haben, werden wir nicht mehr nicht wissen oder nicht sehen können. Mehr denn je zuvor wirkt dieser Satz, bzw. dessen Kraft auf mich ein. Ich sehe mich in unzähligen Situationen in dem Zustand des Widerstandes, des Ärger, des „nicht-akzeptieren-Wollens“, des Ankämpfens, des „ich-wünsche-mir-es-wäre-anders“ – und plötzlich folgt die innere Stimme: „Es ist aber, wie es ist – und eben nicht anders. Wie wäre es, wenn wir genau hinsehen und spüren würden, was die Wahrheit, die Realität, dieses Wahr-Haben mit uns macht und uns für Möglichkeiten bietet.
Und plötzlich wird alles weich in mir. Plötzlich lässt die Anspannung nach, der Krampf im Magen oder in meinem Kiefer, ich kann leichter atmen, ich fühle mich sicher(er) und mehr bei mir, denn im gewöhnlichen Reaktionismus. Ich fühle mich einzigartig „gehalten“. Das Gefühl des „ich muss jetzt aber“, „das passt / gefällt mir gar nicht und ich will es unbedingt ändern“, der unbewusste Drang zum Reagieren und Tun: all das lässt nach. Es ist alles friedlicher, ruhiger und weniger bedrohlich. Ich höre öfters sogar die Sätze durch meinen Kopf rauschen: „Du musst gar nichts. Außer atmen, hinspüren und annehmen, was gerade ist. Was sich vor dir abspielt. Was ist es wirklich? Was siehst du, was nimmst du wahr? Wie sieht die „Realität“ aus?“ Statt „ich wünsche mir, es wäre anders“ – wie ist es wirklich?
Die letzten paar Wochen sind ein Geschenk – eine Faszination, eine wunscherschöne Lehre, die gefühlt alles umschreibt in meinem Erleben, in der Art und Weise, wie ich mich sehe, wahrnehme und fühle. Es wäre mir früher sogar schwer gefallen, so etwas zuzugeben: aber, mir geht es so viel besser. Mir geht es so gut ❤ Mit mir selbst, mit meinem Kopf, mit meinen Gedanken, Ängsten, mit meinem Weg. Ich bin viel mehr bei mir, denn ich mir das je zugemutet habe. Das Gefühl, dass ich anders / woanders / wer andere sein soll, damit es mir je besser gehen kann, sucht mich viel seltener heim. Und selbst wenn, auch den Gedanken kann ich öfters wahrnehmen und hinterfragen: wirklich? Ist es so? Was ist, wenn alles genauso ist, wie es sein soll? Wenn du im Hier und Jetzt genau dort stehst, wo du stehen kannst.? Wenn du dein Bestes gibst und dein bester Selbst bist? Und wenn Du noch nicht ganz dort bist, wo du dich sehen möchtest: was kannst du tun, wofür kannst du Verantwortung übernehmen, was kannst du liebevoll verändern, um dich in die Richtung zu bewegen? Ich spüre so viel Liebe, Mitgefühl und Annahme in mir. Es fällt mir leichter, mich für die Vergangenheit nicht zu verachten, zu verurteilen. Meine Schuldgefühle und Gefühle des Nichtgenügens anzuhalten, in dem ich sie wahrnehme und auch diese mit Offenheit hinterfrage: was kann ich von euch lernen? Helft ihr mir jetzt gerade, meine beste Version zu sein? Schaffe ich es mit euch in meinem Herzen mich in der liebevollsten Art der Welt zu zeigen, meinen Mitmenschen zu begegnen, präsent zu sein? Kann ich überhaupt im hier und jetzt sein, wenn ich euch glaube und Raum gebe?
Wie auch immer dieser Wechsel stattfinden konnte, warum jetzt, warum nicht früher: ich frage mich zwar hin und wieder, aber selbst diese Frage verliert schnell ihre Daseinsberechtigung. Es ist nicht relevant. Was wichtig ist, was real ist, ist die Veränderung, die ich in mir wahrnehmen kann. Und real sind auch die neue Möglichkeiten, wie ich meiner Welt & meinem Weg neu begegnen kann. Real ist die Leichtigkeit, die Weichheit und der Frieden im Kopf.
Vor ein paar Wochen war ich frustriert. Wegen fast allem: war unsicher und enttäsucht im Beruf, weil ich meinen eigenen Erwartungshaltungen (noch) nicht gerecht geworden bin. Ich habe mir gewünscht, ich wäre gefestigter, stabiler, leistungsfähiger, überzeugunsfähiger, motivierter, und vieles mehr. Ich war zutiefst unsicher, leidend und unerfüllt in meiner Mutterrolle, in der Beziehung zu meinem Kind: und ich habe mir gewünscht, unsere Persönlichkeiten, unsere Dynamik, unser Zusammenspiel wäre anders: stimmiger, ruhiger, inniger, kompatibler. Ich war immer unglücklicher in meiner Beziehung, da ich fast nur noch das Gefühl hatte: ich werde von meinem Partner nicht in meiner wahren Art wahrgenommen, gesehen, geschätzt, verstanden. Ich habe mich immer einsamer, reaktiver, verkrampfter erlebt und habe in all diesen Lebensbereichen zu den kreativsten Methoden gegriffen, meine Realität zu verändern: ich habe geleugnet, kleingespielt, ignoriert, gestreikt, argumentiert, gestritten, getrotzt, gewütet. Ich habe gekämpft. Und das hat mir enorm viel Kraft gekostet.
Ich bin heute nicht frustriert. Es ist auf der Oberfläche (noch) alles, wie es war: obwohl, selbst das bezweifele ich. Wahrscheinlich hat sich etwas in allen Lebensbereichen in dem Moment zu bewegen begonnen, als ich den Wandel in mir erlebt habe, seit ich mich anders auf die gleichen Themen beziehe. Ich kämpfe nicht mehr. Ich spüre zwar die Spannung zwischen der Realität und meinen Wunschgedanken, wie diese eben aussehen soll, aber lasse sie nicht meine Handlungen steuern. Ich sehe, was ist. Wenn nicht immer und sofort, spätestens nachdem sich das Gefühl der Enge und der Knoten im Magen intensiv zeigen, werde ich liebevoll erinnert: was willst du schon wieder nicht wahrnehmen, was / wogegen kämpfst du an, wo bist du gerade im Krieg mit der Wahrheit? Und bald folgt die Ent-Spannung, bald folgt die Ruhe, die Weichheit und das Halten des „Ists“.
Es ist nicht leicht. Es ist nicht automatisch leicht, mit der Präsenz mit dem IST zu sitzen und zu halten. Natürlich löst es auch viele intensive Gefühle aus. Nur diese Gefühle fühlen sich (für mich) so viel ehrlicher und richtiger an. Ich fühle viel mehr Trauer, Traurigkeit, gesunden Wut, und im Kern von all dem: Selbstwirksamkeit. Die Fähigkeit, mich selbst darin zu sehen, mir Halt zu bieten und in / mit mir aufarbeiten zu können. Ich fühle die gesunde Selbstverantwortung und die Kompetenz, dass ich mit meinen Gefühlen durchaus klarkommen kann. Ich kann sie fühlen, halten und wenn die Zeit reif ist, vorbeiziehen lassen. Das ist eine unbeschreiblich andere / neue Lebensqualität.
Die Gefühle davor in meinem Leben waren auch sehr intensiv: die Frustration, dass Menschen mir nicht geben können (und konnten), was ich mir so sehr wünschen würde (und gewünscht hätte). Die Enttäuschung, dass die Menschen in meinem Leben nicht so handeln, wie ich es mir und denen (ach…) wünschen würde, dass ich beruflich, finanziell, usw. nicht dort stehe, wo ich gerne möchte. All der Ärger, Neid, Selbstmitleid, all die Spannung. So ging es auch – und wäre wohl noch länger weiter gegangen. Ich denke, das ist der Modus, wie die Mehrheit von uns auf dieser Welt durch das Leben geht, bis man erkennen darf & kann: der Schlüssel liegt bei uns selbst.
Ist es nur diese Weichheit, nur die Ent-Spannung, nur das Wahr-Haben der Realität, was anders wird? Macht diese innere Veränderung plötzlich alles so viel einfacher und leichter? Ganz bestimmt nicht, nicht in dem Sinne, als würde sich dann all das Herausfordernde in unserem Leben wie von alleine (auf)lösen. Als würden Konflikte, unstimmige Lebenssituationen wie durch Wunder verschwinden. Das wird Gott sei Dank nicht passieren, da uns die Chancen zum Wachstum und Entwicklung verloren gehen würden. Ich denke, ich spüre: eine neue Ebene der persönlichen Wachstumsarbeit darf anfangen: in der Wahrnehmung kann sich alles ehrlicher und mehr integer anfühlen, der Kampf des Nicht-sehen-wollens kann weichen und was bleibt, ist die schönsten EInladung im Leben:
Was will mir das Gesehene beibringen? Was mache ich jetzt mit diesen Erkenntnissen? Wie beziehe ich mich auf das, was ist? Wie fühle ich mich wirklich, wenn ich der Realität in die Augen sehe? Und was fange ich nun von diesem Augenblick an mit dem neuen Wissen an? Kann ich damit umgehen, kann das für mich bleiben? Möchte ich etwas anderes in meinem Leben realisieren? Was kann ich dafür tun, wofür und wie kann ich Verantwortung übernehmen?
Ich dachte nicht, dass dieser Tag in meinem Leben kommen wird, an dem ich mich mit all dem Gepäck, mit meiner Vergangenheit, mit den unzähligen Versuchen, mich zu mehr Ausgeglichenheit, Liebe und Zufriedenheit zu verhelfen, diese Leichtigkeit und das Gefühl der Selbstwirksamkeit in der Gestaltung meiner Lebensrealität erleben darf. Vielleicht kann ich ab nun wirklich leben, und meine Lebendigkeit tatsächlich auch erleben. Ich könnte für nichts mehr dankbarer & zeitgleich neugirieger sein:
Was darf sich nun ändern?