No, thanks.

„If you are a giver and you have a big heart, to be truly happy in life, you must learn when to let go. Naturally, you’re going to care when you shouldn’t, you’re going to stay longer than you should, and you’re going to give when you have nothing. Know when to stop and let things be.“

~ Sylvester McNutt

Als ich heute meine Blogbeiträge aufräumen wollte, bin ich über den Artikel „Wise as a mule“ gestolpert. Wie eine liebevolle Erinnerung haben mich meine eigenen Zeilen wachgerüttelt:

The benefit of a mule over a horse is the fact that a mule will stop when it tires, while a horse will work itself to death. A wise farmer knew that for the momentary inconvenience of a stubborn mule that refused to work further, he got an automatic protection on his investment. No mule is going to work until it expires… In spite of its strength and hardiness, it balks at an overload. It does not care how mad you get, or what you think of its character. If it is more than the mule can do, it won’t do it.

The horse, on the other hand, noble animal that it is, takes its cue from what its owner wants. If the job is to keep working no matter what, it will. Horses will work or race until they drop, just because they can. The horse will ignore its exhaustion in order to keep up with the herd (or owner.) By the time a horse knows it has done too much, it can be too late…

…girls turn into women who give up too much. They learn to feel proud of self-sacrifice, trying to be good wives and devoted mothers. They will keep going in the service of others until their big hearts break from the loss of themselves. Like the overworked, loyal horse, they lose their spark and health, but do not understand why they feel so bad. Customs have fooled them into believing that if they do a good job sacrificing for others, they will be happier and more fulfilled… …Exhaustion and listlessness are nature’s way of saying you have given too much…“

Auszüge aus http://www.drlindsaygibson.com/articles/smart-as-a-mule

Well, well, well.

Gerne würde ich behaupten, dass ich von den Fehlern der Vergangenheit gelernt habe, und mehr zu einem Esel als ein Rennpferd geworden bin. Die Wahrheit zeigt mir jedoch: ich musste wohl noch eine Runde drehen, um die Lektion unmissverständlich zu verinnerlichen. Aber wie Christine Langley-Obaugh so weise formuliert hat: “We repeat what we don’t repair”: es gibt einfach keine Shortcuts zur Einsicht, zur Veränderung, zum Verständnis, außer wir lernen unsere Mechanismen kennen, wir finden unsere Antworten auf die großen Fragen: Warum, Wie und Wie nicht…

Immer mehr glaube ich daran, dass jeder zuerst ganz unten ankommen muss, wo es schmerzvoll genug ist einzusehen: auf dem bisherigen Weg (egal wie bewusst oder unbewusst dieser gewählt wurde) geht es einfach nicht weiter. Der Geist, die Seele, der Körper schreien gleichzeitig NEIN, der Raum wird eng, luftlos, bedrückend farblos und leer. Und dort, in dem einsamen Zustand der Einsicht tut zwar vieles weh, aber es ist auch der Ort, wo „Wunder“ passieren können.

Ich habe mich immer schon gefragt, wieso lasse ich mich vom Leben immer und wieder bis zur totalen Erschöpfung treiben? Wieso versuche ich an jedem einzelnen Front meiner Realität (Beruf, Elternsein, Paarbeziehung, Ursprungsfamilie, mehr oder minder existierenden Freundschaften, Hobbies) DAS Beste von mir zu liefern, DAS Meiste von mir zu geben, das Unmögliche durchzutragen bis eines Tages einfach nichts mehr geht. Und ich, die kurz davor noch überall geleistet hat und alles scheinbar unter Kontrolle hatte, plötzlich nur noch eine ausgelaugte, kraftlose, leere Hülle meines Selbstes bin, dem die Kraft für die einfachsten Alltagstätigkeiten ausgegangen ist. Rennpferd halt, alles geben bis nichts mehr da ist.

Nicht nur ist diese Art zu leben unsagbar kräftezerrend, fordernd und mühsam – auch ist sie der gegenteil von nachhaltig, sowohl für den Selbst, als auch für den Umfeld. Die Zusammenbrüche, das Wegfallen, die Apathie tun einfach niemandem gut. Am meisten muss aber das „Pferd“ kämpfen & wieder Energie einsetzen: aber diesmal für die Regeneration, für das Aufarbeiten, sich selbst verzeihen, sich sortieren, neu ausrichten. Ich stelle diese Betrachtung nach wie vor nicht in Frage, ich weiß leider zu gut, wie viel Kraft es von einem abverlangt, von den regungslosen Tiefen der Ausgebranntheit wieder aufzustehen.

Aber.

In diesem Loch, dem meiner aktuellen Realität, muss und darf ich auch etwas Anderes, Wertvolles verstehen. Am besten formuliere ich diesmal sogar in vergangenheitsform, weil der Moment der Erkenntnis tatsächlich schon hinter mir ist. Was ist, wenn manche von uns wirklich solche brutale Erinnerungen brauchen, um plötzlich zu realisieren: in dem Schmerz liegt auch eine enorme Kraft, die Kraft der Veränderung. Der Mut, Wahrheiten auszusprechen, Unausgesprochene zu verbalisieren, das „Sich-Selbst-Belügen“ endlich mal abzustellen. Traurig wie es klingt, in diesen Momenten ist es „eh schon egal“: WANN, wenn nicht jetzt die Ängste besiegen und zu sich selbst ehlrich sein: will man überhaupt zurück auf die Rennstrecke, will man sich überhaupt regenerieren, sich wieder in die gewohnte alte Form bringen, und fortsetzen, wo man den Show davor verlassen hat? Und WANN, wenn nicht in diesen Momenten den Mut fassen, diese grundehrliche Antworten langsam für sich arbeiten zu lassen: NEIN, ich will das so nicht mehr. NEIN, ich möchte A, B und C so definitiv nicht mehr in meinem Leben haben. JA, klares JA: ich möchte von D, E, F viel viel mehr in meinem Leben begrüßen. Ich hoffe, so weit kommt jeder, der diese Erfahrungen im leben machen muss.

Was ich bisher allerdings nie geschafft habe, war, diese Erkenntnisse vor der Außenwelt zu verteidigen. Einmal zu oft habe ich mich zu beratschlagen lassen, habe Freunden / Familie / KollegInnen zugehört, was sie für richtig und sinnvoll halten würden, was sie tun und lassen möchten, wie sie den Weg nach vorne vorstellen können. Und jedes Mal aufs Neue habe ich mich in dem Versuch erst recht wieder verloren, es möglichst vielen / allen da draußen recht zu machen, auf die „erfahreneren / weiseren / reiferen“ zu hören – weil ich mich nicht auf meine innere Stimme, auf meine Intuition, auf mein Bauchgefühl vertraun konnte. Ich habe mich oft wie von außen gesehen: zwar habe ich den Weg (meinen) Weg vor mir gesehen, aber ich habe mir selbst nicht zugetraut, dass diese Bilder, diese Stimmen wirklich in meiner Interesse handeln wollen würden. Dass sie mich zu liebevollen, lehrreichen, zu den gerade richtigen Orten führen würden. Ich hatte mehr als vor mir selbst, als vor einer Armee an fremden Menschen. Lieber habe ich versucht, eine Gleichung mit 20 Unbekannten zu lösen, allen immer das Gesicht zu zeigen, was sie gern gesehen hätten, als auf meine friedliche, leise, einfache Stimme da drinnen zu hören.

Für lange Jahre habe ich sie gar nicht gehört: die Betäubungen, die Überlebenskämpfe, das „Funktionieren“ in der Welt waren so präsent, dass ich keinen Kontakt mit meinem inneren hätte herstellen können. Aber in kleinen Schritten, durch noch so kleine, aber heilsame Erfahrungen habe ich sie kennengelernt. Kennen schon, aber noch nicht vertrauen gelernt.

Ich habe mich so lange gefragt: was wird es brauchen, damit es mir endlich mal gelingt, nach Innen zu hören, und das, was ich dort spüre, sehe, erlebe, tatsächlich auch zu würdigen, respektieren und zu folgen?

Nun: wahrscheinlich – wie sonst jedermann im Leben – ein Loch, das tief genug ist, um keine Ausreden und Notlügen mehr zu finden. DANKE Dir, du Rennstrecke, danke Euch, Zuschauer, Mitkämpfer, Trainer, Treiber. Ich habe genug ❤

Und was ich nie zuvor erlebt habe, in der tranformativen Phase des „Auferstehens“: nicht nur sehe ich ganz klar, wo ich nicht mehr hinmöchte. Auch sehe ich, wo ich gerne hinkommen möchte. Endlich ist die Haltung nicht nur „weg von“, sondern auch – was mir so sehr gefehlt hat, eine neue Realität zu visualisieren – das „hin zu“. Ich sehe mich in der Zukunft in meiner neuen Haut, ich sehe mich handeln, ich sehe mich atmen und Verantwortung tragen. Für meine Träume, meine Wünsche, meine Herzensprojekte. Ich sehe mich, ich spüre mich, ich kann es aussprechen, ich kann es mir wünschen. Und, most importantly: ich werde jetzt auch endlich lernen, es mir zu erlauben.

Auf mit Dir, du liebes Pferd auf die wilde, grüne Wiese, Wind in deinen Haaren, Sonne auf deiner Haut, Freiheit in deiner Blut, und Vertrauen im Herzen.


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