Let’s try it again…

Es ist schwer – es ist eng – es ist leer. Es schmerzt, es drückt, es nimmt mir die Luft zum Atmen. Es würde helfen, es hätte geholfen, über all das zu schreiben. Aber auch das hat sich nun wochenlang falsch angefühlt, irgendwie unberechtigt und überheblich. Wenn einem jedoch das Ventil abhanden kommt, durch welches das „zu viel“ üblicherweise ausgearbeitet und losgelassen werden kann, dann wird es wirklich beängstigend eng.

Es wird noch Zeit brauchen, bis ich über die „neue Realität“ reflektieren kann. Weil es wieder eine neue gibt. Trauriger und ernüchternder denn je, dürfen wir uns wieder neu orientieren, Halt finden, beitragen, helfen, adaptieren. Ich hätte nicht gedacht, dass mich etwas -„aus dem Nichts“- so in die Knie zwingen kann vor Demut, Trauer, Wut und Angst. Dass mir für Wochen jede Form der Zuversicht, Hoffnung und Lebenslust abhanden kommt. Dass mir die ganze Welt so unfassbar surreal vorkommt. Dass ich mich regelrecht von außen durch die Tage schweben sehe, in meiner äußeren Hülle aber ohne meiner Seele.

Ich denke und sage auch oft: ich bin „zu empfindlich“ für diese Welt. Ich spüre den Schmerz so vieler anderen (ob Menschen, Tiere, Pflanzen, oder der Erde selbst) in meinen Knochen, mein Herz bricht oft mit denen von anderen mit. Auch wenn es nicht so „sein soll“, wenn es nicht angemessen / begründet / sinnvoll ist. Ich behaupte ja auch nicht, dass es unbedingt gut wäre: zu sehr berührt und mitgerissen zu werden, zu viel wahrzunehmen, zu viel an sich nahe kommen zu lassen, ist oft wirklich belastend. Menschen, die mehr Abstand halten können, die „resilienter“ sind und mehr in sich ruhen, stehen mit Sicherheit stabiler da in den Stürmen des Lebens. Und ehrlich… Manchmal – oder sogar ganz oft- würde ich mir das auch gerne wünschen. Nicht so intensiv zu empfinden. Weniger mitzubekommen. Weniger empathisch und weniger sensibel zu sein. Aber… Ich bin eben NOCH nicht so weit, mich besser schützen zu können und ich bin noch nicht so weit, meine innere Sensoren etwas weniger empfindsam gestimmt zu haben.

Werde ich es jemals werden? Ich weiß es nicht. Ich denke, ich hoffe und werde auch weiter daran arbeiten: ich werde immer bessere Wege finden, so dass meine Gefühlsstärke mich nicht so aus dem Fluss des eigenen Lebens ausreißt. Dass ich die Verbindung zu meiner eigenen kleinen Welt und den liebsten Menschen da drin nicht komplett abreißen muss. Das ist eine sehr wichtige und auch schöne Aufgabe, der ich mich weiterhin gerne stellen möchte.

Aber ganz ehrlich: GANZ möchte ich diese Gabe nicht verlieren. Weil sie ist eine, die die Welt braucht. Vielleicht mehr, denn je zuvor. Die Menschen, denen es nicht egal ist, die nicht „nicht hinsehen“ können, die es verstehen, weil sie es wie ihr eigenes Leid spüren: was ist nun mal von Grund auf FALSCH im Leben. Wie fühlt sich falsch, ungerecht, gemein, verlogen, unecht an…. So, wie die letzten Wochen. In einem Wachkoma durch den Alltag, nach Luft schnappend, verwirrt. Nein, nicht „nur wegen einem Krieg“. Sondern weil es in Summe viel ist, was wir „normales Leben“ nennen, aber für viele einfach grundsätzlich nicht mehr stimmig ist.

Also. Ich stehe mal wieder auf. Ohne Scham, dass es mir über 3 Wochen gedauert hat, den emotionalen Schock zu verarbeiten und zu überwinden. Heute war der erste Tag seit Ende Februar, dass ich unbeschwert wieder lachen und atmen konnte. Und die Sonne hat gescheint, der Wind hat geweht, meine Laufschuhe haben sich auf das Wiedersehen gefreut und ich war wieder DA…

So, let’s try it again ❤


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