Wir sind am Nachmittag zu einer Kindergeburtstagsfeier eingeladen. Mein Sohn ist eingeladen und das ist eine wahnsinnig schöne Sache, eine riesengroße Freude für mich, uns. Ich freue mich vom Herzen für ihn, dass er dabei sein darf, dass er Anschluss findet.
Und ICH habe seit Stunden Angst, wie ich das überstehen werde, wie ich mich fühlen werde, wie ich mit dem ganzen umgehen soll. Ich habe Angst und wenn es rein nach mir ginge, würde ich NICHT hingehen wollen. Ich will heute keine Menschen treffen. Ich möchte nicht reden, lächeln, socializen, ich möchte nicht gesehen werden, ich möchte und kann heute nicht anderen zuhören. Ich bin nicht gemein, ich habe einfach keine Energie für die Außenwelt, weil die Woche mich so extrem ausgesaugt hat, dass ich heute gefühlt nur das Notwendige schaffe.
Aber ich liebe mein Kind. Und ich möchte, dass es ihm gut geht. Dass er alles erleben darf, was er nur möchte, was ihm nur gut tut.
Und wie so oft, muss ich mich fragen: „wie schaffen wir das heute“? Wie kann ich mich überwinden, wie kann ich gleichzeitig gut für mich sorgen und für mein Kind da sein? Wie kann man überhaupt ein aktives Sozialleben führen mit meinem Innenleben? Mit meiner Überempfindlichkeit, mit meinen Angstzuständen, Depression? Gefühlt ist es eine permanente Achterbahnfahrt, sich immer neu aufbauen und „zugänglich“ zu machen, um in der Welt teilnehmen zu können.
Immer öfters frage ich mich… Was habe ich mir denn doch eingebildet? Was habe ich mir nur gedacht, ein Kind zu bekommen? WIE habe ich das so außer Acht lassen, wie ich mich echt schon durch die Zeiten kämpfe, wie hätte es nur stabiler und leichter werden können als Mutter eines Kindes? Eines aufgeweckten, willensstarken, selbstbestimmten, gefühlsstarken wie meines. Seit Jahren gibt es keine „Ruhephasen“ in meinem Herzen und Kopf. Permanent frage ich mich, wie ich am besten meine Rollen erfüllen kann UND aber auch auf meine Bedürfnisse achten kann. Meistens schaffe ich das einfach nicht. Ich lebe, tue, schaffe, mache, lache, funktioniere und dann breche ich in mich zusammen. Weil ich irgendwo doch nicht bemerkt habe, wie sehr ich mich überstrecke, wie viel mehr ich von mir abverlange, als was ich langfristig stabil leisten könnte. Oder es ist einfach was kleines, ungeplantes. Ein Schockmoment, ein Stich, ein Augenblick, der mich aus heiterem Himmel trifft und den Boden unter meinen Füßen zieht.
Ich habe das Gefühl, dass ich vielleicht nie wirklich zur einer halbwegs ausgeglichenen Lebensführung finden kann. So sehr ich mich bemühe, auf mich achte, genug schlafe, Sport treibe, gesund esse, meine Medikamente und Vitamine nehme, hin und wieder sogar unglaublich tollen Sex habe, liebevolle Freunde habe. Ist das nicht genug, ist das nicht fast mehr, als viele sich nur wünschen könnten? Und trotzdem. Mal oben, dann wieder im Tal unten, dann der Kampf wieder nach oben ins Sonnenlicht, dann kurz durchatmen und hoffen, es hält ein wenig an. Das kommt aber meistens nicht so, das hält meistens nicht so lang, wie ich es mir wünschen würde und schon kommt die nächste Welle, die mich umhaut.
Ich habe mir früher extrem schwer getan, diese Erkenntnisse in Worte zu fassen: ich lebe mit und leide unter Depressionen, Angststörungen, befinde mich auf dem Weg der Genesung aus Essstörungen, ich bin Hochsensibel, somewhere-in-between zwischen einem extrem introvertierten aber doch geselligen Menschen. Mir ist das Tempo im Leben einfach oft VIEL zu viel, viel zu schnell, viel zu laut.
Ich treffe unglaublich schwer Entscheidungen, zweifele permanent an meinem Wert, an meinen Wünschen. Verliere mich ständig in den Bildern und Gedanken über mein leben, meine Zukunft.